Karpfenangeln bei Ebbe und Flut

CIMG0805Im Herzen Ostfrieslands befinden sich unzählige Wasserstraßen, wie Kanäle, Flüsse, Tiefs und Wieken.

Einen besonderen Reiz machen dabei die Fließgewässer aus, geprägt von Ihren Gezeiten und vor allem den Eigenheiten den dieser Gewässertyp mit sich bringt. Wir befischen die Flüsse des Leda-Jümme-Gebietes. Hier sind die Fließgewässer gezeitenabhängig und wechseln 2x am Tag ihre Fließrichtung und vor allem die Höhe des Wasserstandes. Je nach Windstärke und anderen Einflüssen steigt das Wasser ca. 6 Std. um nach kurzer Hochwasserphase wieder 6 Std. abzulaufen. Dann haben wir Ebbe und die beste Zeit zur Location.

Vorbereitung

Als erstes sollte man sich Gedanken machen, welchen Gewässerabschnitt man befischen möchte. Auch hier gibt es schon einige Punkte zu berücksichtigen, gerade was den Strömungsdruck angeht. Je weiter man sein Angelrevier landeinwärts wählt, desto geringer fällt dieser Strömungsdruck aus. Befischt man z.B. die Leda bei Leer reicht ein 200gr. Blei bei weitem nicht aus, wobei an der Jümme hinter Detern hingegen ein 100 gr. Blei locker ausreicht. Nicht nur die Strömung auch die Tide fällt weniger extrem aus.

CIMG5814Was die Angelei an unseren ostfriesischen Flüssen zusätzlich erschwert, sind die Mäharbeiten an den Deichen. So wird zwangsläufig jede Mende Grünzeug ins Wasser befördert und behindern ungemein. Dann ist das effektive Fischen fast ausweglos. Ein Glück findet des nur 2x im Jahr statt. Im Frühjahr und im Herbst je nach Wetterlage. Trotzdem befindet sich auch so noch eine Menge an Gestrüpp und Treibgut im Wasser. Dieses fließt von links bei auflaufendem Wasser und kommt schlimmstenfalls bei ablaufendem Wasser von rechts wieder am Angelplatz vorbei. In der Regel besteht dies aus Schilf und Wasserpflanzen. Wenn man sich das Grünzeug näher anschaut, entdeckt man ein Gewusel von Bachflohkrebsen, Seidenraupen und anderen Lebewesen. Ein wahrer Schmaus für unsere Rüssler. Daran lässt sich auch erkennen welch ein üppiges Nahrungsangebot in unseren Flüssen vorliegt. (siehe Bild)

Bei der Wahl des Angelplatzes sollte man bei Ebbe das Wasser aufsuchen um sich einen Überblick der Gegebenheiten zu verschaffen.  Bei Niedrigwasser lassen sich so wunderbar Sandbänke, Kanten und Löcher erkennen. In erster Linie sollte man sich nur mit dem eigenen Ufer beschäftigen. Das Fischen auf der anderen Seite ist aufgrund der Strömung und des Bootsverkehrs nur während des „Stillstands“ möglich, sprich wenn das Wasser den höchsten bzw. niedrigsten Stand erreicht hat. Dann befindet sich für einen kurzen Zeitraum keine Strömung im Fluss. Hat man Gefallen gefunden an seinem favorisiertem Revier, heißt es Futter bei die Fische. Hier gilt es die Karpfen an unsere Plätze zu konditionieren. Man kann davon ausgehen, dass die Karpfen in Trupps am Ufer bzw. an den Kanten entlangziehen. Dann werden die Jungs auf unser eingebrachtes Futter treffen. In der Regel sollte man 3-5x vor der geplanten Session Futter einbringen. Da nicht nur der Karpfen, sondern auch seine Mitbewohner wie Aland, Brassen und Co unterwegs sind, sollte jedes Mal 15-20 Kg Mais eingebracht werden. Dies wird großflächig am eigenen Ufer auf einer Strecke von 300-500m gefüttert. Die Menge erscheint sehr hoch, jedoch verteilt die Strömung das Futter sehr weitläufig.

Bei Ebbe kann man auch wunderbar den Mais in den Steinpackungen ablegen, wo die Karpfen sonst auch nach ihrer natürlichen Nahrung suchen. Um auch größere Karpfen anzusprechen ist es empfehlenswert Boilies beim Anfüttern beizufügen.

CIMG5907Tackle/Rig

Um am Fluß erfolgreich zu sein, bedarf es keinen 300 € Angelstock oder einem KD-Rig. Hier zählt robustes, zuverlässiges Material. Wir brauchen hier nicht weit werfen, je nach Bleigewicht ist man mit 2,75/3,00 lbs gut aufgestellt. Bei der Rolle ist die Bremse von großer Wichtigkeit. Wir werden hier mit sehr starken Kämpfern konfrontiert. Als Hauptschnur empfiehlt es sich abriebfeste 0,35mm monofile Schnur auf zu spuhlen. Das Vorfachmaterial sollte eine gewisse Steifheit aufweisen. Am Besten verwendet man ein ummanteltes / gecoated bzw. monofiles Rig. Da durch die Strömung das Vorfach in Bewegung sein wird, ist ein tüdelanfälliges Material wie normales Braid nicht angebracht. Von sehr großer Wichtigkeit ist der Haken. Dieser muss regelmäßig auf seine Schärfe kontrolliert werden, da der Haken im Fluss durch Steine, Gestrüpp und Fischkontakten sehr strapaziert wird.

Das Rig wird sehr einfach gehalten. Vorfachlänge ca .20cm, 4-6er Wide-Gape-Haken und einfach als „No-Knot“ gebunden. Im Fluss brauchen wir keinen Schnick-Schnack. Es muss nur „funktionieren“ Was nicht fehlen sollte sind lange Banksticks. Die Ufer sind häufig von Schilf bewachsen und so können wir die Banksticks problemlos platzieren. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dadurch flexibler zu sein und sich auf einen breiten Uferabschnitt aufzuteilen.

Die Behausung sollte man am Besten direkt auf dem Deich aufbauen. Man weiß nie genau wie hoch das Hochwasser  kommen kann. Durch Regen oder ungünstigen Wind kann es schnell 0,5m – 1,5m über normal steigen. Manches Mal haben wir sogar nachts festgestellt, dass unser Wetterschutz unter Wasser stand und wir eine Etage ziehen mussten.

CIMG5909Session

Beim Fischen selber kommt keine Langeweile auf. Man muss regelmäßig die Köder von Gestrüpp oder Treibgut befreien und zudem die Montagen immer wieder den wechselnden Wasserständen anpassen. Fischt man zum Beispiel bei Flut nah am Ufer, muss die Rute später Richtung Fahrinne bzw. Kante. Sollte bei Ebbe die Rute in der Mitte liegen, kann man diese platziert lassen oder Richtung Ufer neu ablegen. Oftmals haben wir bei steigenden Wasserstand die Montagen im „trockenen“ abgelegt, sprich auf harten Boden in Ufernähe. Das Blei wurde eingegraben und Futter drum herum garniert. So hat man eine sehr gute Präsentation geschaffen und erwartet die Flut in voller Vorfreude. Um auf die Tide reagieren zu können, haben wir im Vorfeld den Gezeitenkalender aus dem Internet studiert und uns so auch für die Nacht rechtzeitig den Wecker gestellt um die Montagen umzulegen und dem Wasserstand anzupassen.

CIMG5989Ein Patentrezept gibt es leider nicht was die Fressrouten und die Spotwahl angeht. Wir haben die Karpfen schon direkt vorm Schilf, in der Mitte des Flusses oder bei höchstem Wassertand auf der anderen Seite fangen dürfen. Es empfiehlt sich bei 3-4 Ruten verschiedene Spots anzusteuern und auszuprobieren wo die Karpfen umherziehen. Wir starten mit einer Rute direkt am Ufer, eine an der 1. Kante zur Fahrinne und die dritte Rute wird in der Flussmitte platziert. Als Köder verwenden wir den gefütterten Mais, sowie Boilies. Bei den Boilies vermeide ich Sorten mit Fischaroma, da sich auch einige Wollhandkrabben in unseren Flüssen tummeln und so die Angelei zusätzlich erschweren. Damit der Boilie nicht ohne weiteres durch seine runde Form auf dem Platz hin und her kullert, schneide ich diesen in Würfelform. So ist gewährleistet, dass bei gemäßigter Strömung der Köder am Platz liegen bleibt und der Karpfen diesen besser aufnehmen kann. Wenn die Wahl des Hakenköders auf Mais fällt, muss man sich durchangeln bis die ersten „guten“ Karpfen kommen. Hier stürzen sich die Brassen, Aland und Karpfen bis 10pfd auf den Köder. Jedoch konnten wir auch schon den einen oder anderen Ausnahmefisch auf Partikel überlisten.

Sobald einer der Flusskarpfen angebissen hat, geht mal richtig die Post ab. Sie zeichnen sich durch ungeheure Kampfkraft aus und faszinieren mich jedes Mal wieder auf´s Neueste. In der Regel sind es auch jungfreuliche Fische, da wir an den ostfriesischen Flüssen kaum Angeldruck haben. Daher haben die Karpfen auch kaum Erfahrungswerte mit Anglern gesammelt. Da viele Uferzonen sehr schlammig sein können, empfiehlt es sich mit einem Angelpartner die Session anzugehen. Gerade um den Fisch zu keschern ist Vorsicht geboten. Alleine eine Steinpackung runter zu klettern, bewaffnet mit Rute und Kescher sollten nur erfahrenen Flussanglern vorbehalten bleiben.

Bei einem Sturz in den Fluss mit solch einer Strömung, darf man sich nicht ausmalen wo es hinführen könnte. CIMG3687Im Großen und Ganzen ist das Flussangeln „ Hartes Brot“. Die Strömung, das Gestrüpp und der hohe Zeitaufwand können schnell ihren Tribut zollen und machen die Angelei anspruchsvoll. Mit Durchhaltevermögen und vollem Einsatz wird man auch erfolgreich sein. Sobald man dem Fluss eines seiner Geheimnisse entlocken konnte, sind all der Aufwand vergessen und man kann sich an dem Fang erfreuen.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Karpfenangeln bei Ebbe und Flut.

Gruß

Heiko

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