Sommerzeit = Graserzeit

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen und unser eigentlicher Zielfisch sich lieber die Sonne auf den Pelz scheinen lässt, statt Boilies zu naschen, zieht es uns ins Nachbarland um den vegetarischen Schwergewichten nachzustellen.

20130815_113944Jahr für Jahr kämpfen wir uns durch´s Sommerloch. Es ist gerade zu dieser Zeit nicht einfach unsere Rüssler zum Landgang zu überreden.

Schon einige Male haben wir uns vorgenommen diese Zeit zu nutzen, um in holländischen Kanälen auf „Graserjagd“ zu gehen.

Immer wieder kam was dazwischen was dieses Vorhaben im Vorfeld scheitern ließ. Anders im August 2013. Mit Marco, Patrick und Dennis aus unserem Team haben wir uns spontan entschlossen das Projekt „Graser“ anzugehen und haben uns die Vispas in Winschoten besorgt. Im Anschluss sind wir gleich mit dem Gewässerverzeichnis bewaffnet, zur Location ans Wasser.

Man ist wirklich erstaunt über die Gewässervielfalt die die Niederlande bietet. Eine Vielzahl an Gewässerstraßen, tolle Baggerseen runden unseren ersten, positiven Eindruck ab. Auch die Fischbestände in Holland lassen nichts zu wünschen übrig. Geprägt von „Catch & Release“ haben unsere Nachbarn sich im Laufe der Jahre etwas richtig Tolles aufgebaut. Vom Stipper, welche in einer großen Anzahl an den Kanälen anzutreffen sind, bis hin zum Raubfischangler wird diese Mentalität beherzigt.

1368994_696652630364166_2094067771_nEinem Besuch der „Angelpolizei“ braucht man nicht fürchten, wie häufig berichtet wird. Ist der Angelplatz sauber und aufgeräumt, kann man beim „Talk“ einige interessante Infos erhalten.

Zum Beispiel was die Besatzpolitik angeht. Hier ist es üblich Graser aufgrund des hohen Krautvorkommens in fast allen Gewässern zu besetzen. Die Pflanzenfresser aus Asien haben mittlerweile viele Seen und Flüsse Europas erobert. Jedoch nicht unbedingt in unserer ostfriesischen Heimat.

Der Name „Graskarpfen“ ist auch etwas irreführend. Mit unseren heimischen Karpfen ist er nicht verwandt. Beangeln lässt er sich jedoch sehr ähnlich. Später mehr dazu…

Um eine Session erfolgreich abzuschließen, bedarf es einiger wichtiger Vorbereitungen. Auch bei Fischen auf Grasern ist die Location außerordentlich wichtig. Hier gilt es die Futterstraßen ausfindig zu machen, auf welche sich die Graser auf der Suche nach “Fressbarem“ begeben. Dies geschieht in der Regel in einem Trupp von mehreren Vegetariern. Da diese eine Vorliebe für pflanzliche Nahrung haben, suchten wir einen Kanal in Grenznähe auf, welcher einen großen Bestand an Seerosen und Schilfgürteln aufwies. Die Suche war sehr einfach, da viele Kanäle diesen Charakter zeigen. Hier haben wir uns an Besonderheiten orientiert. Was hebt sich vom monotonen Kanallauf ab??? Fündig geworden sind wir an Wendebecken, Einmündungen oder Kanalgabelungen. War der Angelbereich für „gut“ befunden, versuchten wir mit dem Tastblei die Bodenbeschaffenheit am Gewässeruntergrund zu untersuchen. Die Tiefe haben wir außer Acht gelassen. Da es badewannenähnlich verlief. Am Rand beträgt die Wassertiefe 30-50cm und sinkt zur Mitte hin bis ca.160-200cm.  Jedoch gestaltete es sich als schwierig die genaue Festigkeit am Gewässerboden zu bestimmen. Von Schlick, Faulschlamm, geruchsloser Schlamm, tief/tiefer Schlamm bis hin zu Lehm und Sandboden haben wir alles ausgemacht. Dank heißer Temperaturen entschlossen wir uns ins kühle Nass zu steigen und selbst den Untergrund zu ertasten bzw. abzutauchen. Das war eine goldrichtige Entscheidung. Teilweise hat man harten Untergrund auf nicht mal 1qm² gefunden. Rundherum Schlammboden bzw Schlammlöcher. Vor allem bei den Seerosenfeldern war das eine aufreibende  Suche. Nicht auszumalen, wenn beim üblichen Wurf die Montage im Schlick versenkt wird.

CIMG4736 - BearbeitetBeim Fischen haben wir die Ruten zu Fuß abgelegt und auf die andere Seite rübergeschommen. So konnten wir auch die Schur vernünftig mit Backleads ausstatten, um die Hauptschnur grundnah laufen zu lassen. Leider sind doch einige Freizeitkapitäne unterwegs. Sobald wir die anvisierten „harten“ Stellen wieder gefunden haben, wurde die Montage meistens in Ufernähe sauber abgelegt. Da Blei haben wir in den Boden gedrückt, um einen besseren Hakeffekt zu bekommen. So hat der Graser mehr Widerstand beim Anbiss und der Haken fast im brettharten Grasermaul wesentlich effektiver. Außerdem können wir uns so ein schwereres Blei vermeiden, welches im Drill die Auschlitzergefahr erhöht..

Warum gerade harter Boden werden sich bestimmt der Ein oder Andere fragen… Wenn man das Fresshalten der Karpfen mit Grasern vergleicht, fällt auf, dass die Rüssler ihre Nahrung einsaugen. Der Graser hingegen sammelt mit seiner Lippe die Nahrung vom Grund auf. Dabei hilft uns ein harter Untergrund ungemein, da er so den Köder einfacher auffindet. Hier kann er auch den gefütterten Mais, Korn für Korn aufsammeln.

Apropos Mais. Diesen Köder ordern wir vorm geplanten Fischen in großer Anzahl. Wir füttern eine Woche lang, alle 2 Tage ca. 20-40Kg auf einem langen Uferstück um möglichst viele Zielfische zu erreichen. Die Menge klingt natürlich sehr extrem. Jedoch verschmähen Brassen und Co. die gelben Körner nicht. Dies kann uns Dennis sicher bestätigen J

1208782_696652613697501_1600608894_nZu Beginn der Session kommen anfangs 2-3 Kellen Mais an jeden Spot. Sobald Graser sich an der Oberfläche oder durch steigende Blasen bemerkbar machen, kann ruhig nachgefüttert werden und natürlich nach jedem Biss. Graser können zu wahren Fressmaschinen werden. Daher sollte man eine ausreichende Menge in der Session dabei haben.

Normalerweise bin ich als Fallensteller bekannt und jede Baitfirma würde „arm“ an mir werden J Hier war es aber eine interessante Erfahrung mal nach dem Prinzip „Futter bei die Fische“ vorzugehen.  Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse werde ich auch meine Fallenstellerei hinterfragen und mal über „Futter“ zum Erfolg kommen. Auf jeden Fall macht es Laune und der Erfolg gibt einem Recht.

Wenn Graser einen Futterplatz gefunden haben, kann man nicht zu viel füttern. Zu wenig schon. Es besteht die Gefahr, dass die Jungs schnell weiterziehen. Daher ist immer permanente Aufmerksamkeit erforderlich um auch reagieren zu können. Da die Graser gerne in kleine Gruppen unterwegs sind, besteht die Möglichkeit binnen kurzer Zeit mehrere Bisse zu erhalten.

Als Hakenköder haben wir 3-5 Maiskörner inkl. Fake-Corn aufgezogen. Der Köder ist so austariert und kann vom Graser ohne großen Widerstand aufgenommen werden. Die Montage an sich haben wir einfach gehalten. 4er Wide-Gape Haken, kurzes Vorfach von ca. 15cm, da der Graser eng am Boden frisst bzw. nicht wie beim Karpfen aus einigen Zentimetern Entfernung den Köder ansaugen kann. Mit dieser Präsentation kann der Asiate den Köder schön „aufnippen“

20130824_053912Hat er unseren Köder aufgenommen, geht in den seltensten Fällen die Post ab. Die Karpfen schrecken auf und geben „Hackengas“ und der Graser lässt unseren Swinger erst mal etwas auf und ab tänzeln. Meistens piept der Delkim auch nur 1-2 Mal.

In diesen Fällen sollte man ruhig einen Anschlag setzen und man spürt auch schnell Widerstand. Beim Herankurbeln schwimmt der Graser einfach mit und lässt uns einen Brassen vermuten. Vorm Kescher ist Vorsicht geboten. Die Bremse sollte locker eingestellt sein und die eigenen „weichen Knie“ außer Acht gelassen werden. Sobald der Graser den Angler oder den Kescher erspäht flüchtet dieser mit ungeheurer Kraft und reißt die Schnur förmlich von der Rolle. Binnen 1-2 Sek fehlen gleich 20-30m Einfach WOW. Solch eine Power war uns bislang nicht begegnet. Es ist zudem wichtig den Graser komplett auszudrillen. Selbst nach erfolgreichen Keschern bringt er durch Schlagen und unter Einsatz seines Gewichtes die Kescherarme an ihre Belastungsgrenze. Da sich der Vegetarier völlig verausgabt, sollte eine große Abhakmatte bereitstehen und auch die Foto-Session muss zügig abgehalten werden. Im Wasser ist der Fisch eine Diva und sehr temperamentvoll und auch an Land haben uns die gefangenen Graser alles abverlangt.

Es geht aber auch anders. Marco und ich habe jeweils eine „Schlaftablette“ gefangen. Bissanzeiger piepte 2-3x, Fisch ließ sich heranziehen. Wir haben schon mit Brassen gerechnet und auf einmal tauchte ein U-Boot an der Wasseroberfläche im Schein der Kopflampe auf. Der Fisch hat seinen Fehler noch nicht bemerkt, schnell haben wir das Netz unterm Fisch entlang gezogen und „he´s in the net“

Wir haben die Graser überwiegend in den Nachtstunden bzw. in den frühen Morgenstunden gefangen. Wir denken, dass aufgrund der regen Schifffahrt bzw. der befahrenen Straßen entlang der Ufer, über Tag zu viel Unruhe herrscht.

Dennis hingegen hatte 2 wahre Kämpfer im Drill. Die beiden asiatischen Riesen haben ihm alles abverlangt. Sie ließen von Anfang an die Bremse immer wieder aufschreien und hielten vom Anbiss bis kurz vorm Kescher dagegen. So viel zu Bilderbuchtheorie J

Dieser faszinierende Fisch zeigt Charakter. Von Anfang an war das Beangeln auf die Pflanzenfresser etwas Besonderes und hat uns in seinen Bann gezogen. Wir fühlten uns zeitweise zurückversetzt in unsere  Anfangszeit des Karpfenangelns. Es war das Ungewisse, was erwartet uns, wie läuft es ab… Die Nächte bzw. Wochenende die wir im August ´13 dort verlebt haben, bereichern uns an Erfahrung und vor allem wollen wir diese tolle Zeit nicht missen wollen…

In diesem Sinne

„Tight Lines“

 Heiko

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One Response to Sommerzeit = Graserzeit

  1. Kirfel Werner sagt:

    Moin,
    ich habe gerade mit viel Interesse euren Bericht über das Graskarpfenangeln in der Region Groningen gelesen.
    Da wir bei Bunde eine Unterkunftsmöglichkeit haben, wäre es für mich als Anfänger in dieser Disziplin sehr hilfreich, wenn Ihr mir in der Nähe von Bad Neuschanz einen geeigneten Kanal oder Polder empfehlen könntet.
    Welchen Fischpass braucht mann dann?
    Nachtangeln?
    Schlauchboot?
    Vielen Dank im voraus und ich bin natürlich gespannt auf eure Antwort.
    Petri Werner

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